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Ein Schülerstipendiat berichtet

06.04.2020

Bereits vier Mal hat die Bürgerstiftung Westmünsterland in Kooperation mit der START-Stiftung ein Schülerstipendium an einen jungen Menschen mit Migrationsgeschichte vergeben. Abd Al Karem Hadla (Foto), ein heute 21-jähriger Syrer, ist einer von ihnen. Zum Schuljahresbeginn 2016/17 lebte er noch in der Jugendhilfeeinrichtung der Akademie Klausenhof in Hamminkeln und war gerade aufs Mariengymnasium nach Bocholt gewechselt. Seit dem Wintersemester 2019 studiert er in Aachen Maschinenbau.

Wie wichtig war das Stipendium für ihn? Wie hat es seinen Lebensweg beeinflusst? Die Bürgerstiftung Westmünsterland hat ihn gefragt und Antworten erhalten, die zeigen, wie wichtig Schülerstipendien dieser Art sein können.

Bürgerstiftung: Wie haben Sie seinerzeit von START und dem Stipendienprogramm erfahren?

Karem: Ich habe im Schuljahr 2016/17 durch meine Beratungslehrerin von dem Stipendium erfahren. Zum damaligen Zeitpunkt habe ich die Einführungsphase der zehnten Klasse besucht.Mehr über die Stiftung hat mir damals eine Mitschülerin erzählt, die bereit ein Jahr zuvor in das START-Stipendienprogramm aufgenommen worden war. Sie berichtete von einer schönen und angenehmen Atomsphäre bei den Bildungsseminaren.

Bürgerstiftung: Sind Ihre Erwartungen an des Stipendienprogramm erfüllt worden?

Karem: Meine Erwartungen wurden schon nach kurzer Zeit übertroffen. Die Bildungsseminare haben zu wichtigen Weiterentwicklungen im schulischen, gesellschaftlichen und persönlichen Bereich beigetragen. Das Bildungsgeld hat meinen schulischen Alltag erleichterte, weil ich mir damit problemlos Lernmaterialen besorgen konnte.

Bürgerstiftung: Wie wichtig waren die Angebote im Rahmen des Schülerstipendiums für Ihre Entwicklung?

Karem: Die START-Stiftung stellt für mich eine besondere Community dar, die in der Schule schwer realisierbar war. Diese Community lässt sich sehr gut als eine bunte Mischung von Menschen beschreiben, die ähnlichen Herausforderungen im Alltag meistern müssen wie ich und sich ähnlichen Zielen vornehmen. Das hat mir Mut und Motivation gegeben und mich immer vorangetrieben. Die Beratung der Landeskoordinator*innen, die immer da waren, haben mich bei schulischen und auch außerschulischen Gelegenheiten unterstützt. Das gab mir eine enorme Sicherheit.

Bürgerstiftung: Was war das Besondere für Sie in diesen zwei Jahren?

Karem: Das Besondere in diesen zwei Jahren ist die Tatsache, dass Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund auch in einer Zeit, in der Stimme von Rechtspopulisten sehr laut werden und Ängste verbreiten, eine hervorragende Unterstützung und eine wichtige Wertschätzung erhalten. Diese Erfahrung wird mich nie daran zweifeln lassen, dass die Gesellschaft in der Lage ist, entschlossen und geschlossen gegen Fremdenhass zu handeln. Das Stipendium hat mir aber noch vieles mehr mit auf den Weg gegeben.

Bürgerstiftung: Was zum Beispiel?

Karem: Besonders erwähnenswert ist die gesellschaftliche Verantwortung, die jeder von uns an einer bestimmten Stelle in der Gesellschaft hat. Sie als Motivation für das individuelle gesellschaftliche Engagement zu nutzen, ist eine wichtige Botschaft der START-Stiftung, die bei mir angekommen ist. Sie hat mein Leben nachhaltig verändert.

Bürgerstiftung: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Karem: Ich wünsche mir für die nahstehende Zukunft, dass ich mein Maschinenbaustudium an der RWTH erfolgreich abschließe. Für die weitere Zukunft ist es mein Wunsch, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, um die Gesellschaft im positiven und sozialen Sinne mitgestalten zu können.

 

Foto: Abd Al Karem Hadla war der vierte Stipendiat, den die Bürgerstiftung Westmünsterland in Zusammenarbeit mit der START-Stiftung über ein Schülerstipendium gefördert hat. Foto: privat